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Das Evangelium der Maria Magdalena


Das Maria Magdalena Evangelium (Version 1.2) Das Maria-Evangelium, ins Englische übersetzt von L. King, George W. McRae, R. McL. Wilson and Douglas M. Parrot, aus der Nag Hammadi Bücherei James M. Robinson (ed), Harper & Row, San Francisco 1988, pp. 252-527 Das Essay wurde geschrieben ins Deutsche übersetzt von Jonathan Dilas, 2005) Anmerkung d. Übers.: Die Übersetzung erfolgte nicht im klassischen Sinne der Kirche. Manche Wörter wurden nicht richtig verstanden, wie z.B. das Wort „All“. Das All hat jedoch nichts mit dem zu tun, was Jesus erwähnt hatte. Dieses Wort wurde nur deshalb benutzt, weil man im Original das Wort nicht verstand und nur sinngemäß als das englische Wort "all" übersetzt wurde. Im Deutschen wusste man damit auch nichts anzufangen und hat es dann als "All" übersetzt. In Wirklichkeit meinte Jesus jedoch "Ganzheit" bzw. das "All-Eine", aus dem auch er hervorgekommen war. Dies liest sich im Thomas-Evangelium eindeutig nach. Die Situation zu Beginn des Maria-Magdalena-Evangeliums ist gerade jene, dass die Jünger und die Jüngerin Maria Magdalena bei Tisch saßen und ihnen Jesus erschien. Sie sprachen miteinander und Jesus erklärte ihnen viel über die Natur der Materie, Leben, Schöpfung und Vergänglichkeit. Maria platzt nach der Erscheinung Jesu' damit heraus, dass er ihr bereits in einer Vision davor erschienen sei und brachte Unfrieden unter die Jünger. Man wollte ihr nicht so recht glauben, dass Jesus ihr zuerst erschienen sein sollte. Ebenso ist die Kirche nicht erfreut über die Tatsache, dass Jesus Maria zuerst erschien und deutet Marias Vision als einen simplen Traum. Jesus befreite sie in diesem „Traum“ jedoch von den sieben Mächten des Zorns.

Das Maria-Magdalena-Evangelium:

„Wird Materie nun zerstört oder nicht?“
Der Retter sprach: „Alles Natürliche, jede Form, sämtliche Kreaturen existieren in- und miteinander, und sie lösen sich wieder in das auf, aus dem sie entstanden sind.
Denn die Natur der Materie kann sich nur wieder in ihre eigenen Wurzeln auflösen. Jener, der zwei Ohren besitzt, den lasset hören.“
Petrus sprach zu ihm: „Nachdem du uns alles erklärt hast, erzähle uns auch dies: Was ist die Weltsünde.“
Der Retter sprach: „Es gibt keine Sünde. Ihr erschafft Sünde mit den Dingen, die ihr tut, dies ist z.B. die Natur des Ehebruchs, die Sünde genannt werden kann.
Das ist der Grund, wieso das Gute in eure Mitte trat, als Essenz einer jeden Natur, um sie wieder zu Seinen Wurzeln zurückzuführen.“
Dann fuhr Er fort und sprach: „Dies ist der Grund, wieso ihr krank werdet und sterbt. Jener der verstehen kann, der verstehe.
Die Materie gebar eine Leidenschaft (Leid?), der keiner ebenbürtig ist und aus etwas der Natur Gegensätzlichem entstand.
Denn darauf folgt eine Störung des ganzen Körpers. Dies ist auch der Grund, wieso ich sagte: ‚Seid guten Mutes!’, wenn ihr entmutigt seid, seid mutig in der Gegenwart der verschiedenen Formen der Natur.
Jener der Ohren hat, der höre.“
Als der Gesegnete dies sagte, grüßte Er sie alle und sprach: „Friede sei mit euch.
Empfangt meinen Frieden in euch.
Achtet darauf, dass euch niemand in die Irre führt, indem er sagt: ‚Seht hier, seht dort…’, denn der Sohn Gottes ist in euch. Folget Ihm!
Jene, die Ihn suchen, werden Ihn auch finden.
Gehet hin und prediget das Evangelium des Königreichs.
Legt nicht sämtliche Regeln beiseite, die ich euch mitteilte, und gebt kein Gesetz auf, so wie es die Gesetzesgeber tun und euch somit beschränken.“ Als Er dies gesprochen, verschwand er. Doch sie waren betrübt. Sie weinten sehr und sagten: „Wie sollen wir zu den Heiden gehen und das Königreich des Sohn Gottes predigen?
Wenn sie Ihn schon nicht verschonten, wieso sollten sie uns schonen?“ Dann erhob sich Maria Magdalena, begrüßte sie alle und sagte zu ihren Brüdern: „Weint nicht, seid weder betrübt noch unentschlossen.
Denn Seine Gnade wird vollkommen für uns sein und wird euch beschützen. Lasset uns besser seine Großartigkeit preisen, denn Er hat sie für uns vorbereitet und dies machte uns zu Menschen.“
Als Maria dies sagte, wandte sie ihre Herzen zum Guten und dann diskutierten sie die Worte des Retters. Petrus sagte zu Maria: „Schwester, wir wissen, dass der Retter dich mehr liebte als alle anderen Frauen. Berichte uns von den Worten des Retters, die du erinnerst – die du kennst und wir nicht oder von denen wir noch nie gehört haben.“ Maria antwortete und sagte: „Was dir verborgen, werde ich dir kundtun.“
Und sie sprach zu ihnen die Worte: „Ich…“, sprach sie, „Ich sah Christus in einer Vision und ich sprach zu ihm: Christus, ich sah dich heute in einer Vision.’ Er antwortete darauf und meinte: Sei gesegnet dafür, dass du nicht gezaudert hast, als du mich erblicktest.
Denn dort, wo der Geist ist, da ist der Hort. 
Ich sprach zu ihm: Christus, wie sieht Er in einer Vision, die durch die Seele oder durch den Geist gesehen wird? 
Da antwortete der Retter und sprach: Er sieht weder durch die Seele noch den Geist, sondern durch den Verstand, welcher zwischen diesen beiden steht – das ist es, wie man eine Vision sieht.

(Der mittlere Teil des Originaltextes fehlt an dieser Stelle. Aus dem Grund fehlt nun auch der Übergang zu dem Moment, als Jesus für Maria Magdalena erschien und sie ihn auf Anhieb nicht erkannte. Dieser Teil ist offensichtlich zerstört worden. Der Grund dafür ist unklar. Jedenfalls geht es dort weiter, als Maria in der Auseinandersetzung mit ihren Gefühlen steht, den Beschränkungen des Geistes in Form von 7 Mächten. Hier kämpft sie gerade mit dem Verlangen in ihr selbst in der Gegenüberstellung von der Macht und der Seele:)  

Ich sah nicht, wie du herabstiegst, aber jetzt sehe ich, wie du aufsteigst. Wieso lügst du also, weil du zu mir gehörst?
Die Seele antwortete und sprach: Ich sah dich.
Und du hast mich weder gesehen noch erkannt.
Ich diente dir einst als Gewand und du hast mich nicht erkannt!
Als sie (die Macht) das ausgesprochen hatte, verschwand sie lachend (frohlockend): Danach kam es auf die dritte Macht an, die da Ignoranz lautet. Sie (die Macht) befragte die Seele: Wohin gehst du?
In Boshaftigkeit wirst du gebannt, urteile nie!
Und die Seele sagte: Wieso verurteilst du mich, obwohl ich dich nicht verurteilt habe?
Ich war gebunden, doch habe nie gebunden.
Ich bin nicht erkannt worden.
Aber ich habe erkannt, dass sich die Ganzheit auflösen wird, sowohl die Irdischen Dinge als auch die Himmlischen.
Als die Seele die dritte Macht besiegt hatte, stieg sie weiter auf und erkannte die vierte Macht, die sieben Formen besaß.
Die erste Form war die Dunkelheit, die zweite das Verlangen, die dritte die Ignoranz, die vierte die Furcht vor dem Tode, die fünfte das Königreich des Fleisches, die sechste die närrische Weisheit des Fleisches und die siebte die zornige Weisheit. Diese sind die sieben Mächte des Zorns.
Sie (die Mächte) befragen die Seele: Woher kommst du, Menschenmörder, oder wohin gehst du, Welteneroberer?
Die Seele antwortete und sprach: „Was mich einst gebunden ist nun befreit, und was mich umgab, ist nun überwunden worden, und die Ignoranz ist besiegt. In einer Welt wurde ich von der Welt befreit, in einer Art himmlischen Gestalt sowie von den Fesseln der Vergessenheit, die vergänglich ist.
Von jetzt an werde ich für den Rest der Zeit, der Jahreszeiten, der Äonen, in Stille beabsichtigen.
Als Maria dies gesprochen hatte, fiel sie in Stille, denn das war der Moment, als der Retter mit ihr gesprochen hatte.
Doch Andreas antwortete und sagte zu den Jüngern: „Sprecht, was sagt ihr darüber, was sie eben erzählt hat?
Ich bin der letzte der glaubt, dass dies der Erlöser gesagt hat. Diese Lehre ist sicherlich eine befremdliche Vorstellung.
Petrus antwortete und sprach die gleichen Dinge betreffend.
Er befragte sie nach dem Retter: „Sprach Er wirklich ohne unser Wissen mit einer Frau und das nicht öffentlich?
Sollen wir uns ihr nun zuwenden und ihr künftig zuhören?
Hat er sie uns vorgezogen?“
Dann weinte Maria und sagte zu Petrus: Mein Bruder Petrus, was denkst du denn?
Denkst du, dass ich mir all dies in meinem Herzen ausgedacht habe oder dass ich über unseren Retter Lügen erzähle?
Levi (Matthäus) antwortete und sagte zu Petrus: Petrus, du warst schon immer temperamentvoll.
Nun sehe ich, wie du dich gegen diese Frau aufbäumst als wäre sie dein Gegner.
Denn wenn der Retter sie als wertvoll erachtete, wieso möchtest du sie dann ablehnen? Der Retter kennt sie sicherlich sehr gut.
Das ist der Grund, wieso er sie mehr liebte als uns.
Wir sollten uns besser schämen und lieber dafür sorgen, den perfekten Menschen in uns und für uns zu leben, so wie Er es uns aufgetragen hat. Lasst uns das Evangelium predigen und nicht Gesetze aufstellen, die jenseits dessen stehen, die uns der Retter mitgeteilt hat.
Danach begannen sie zu verkünden und zu predigen… (Ende)


Die sieben Mächte des Zorns, von denen Jesus sprach und Marias Seele beschwor, damit sie sich mit diesen Mächten auseinandersetzte und sie besiegte, lassen sich wie folgt aufführen:

1. Die Dunkelheit Keine Bewusstheit, geistige Blindheit. 

2. Das Verlangen Die Gier, die Wut, das unstillbare Verlangen nach mehr, obwohl man bereits im Überfluss lebt. 

3. Die Ignoranz Kein Mitgefühl, nur auf sich selbst bedacht sein, keine Empathie.

4. Die Furcht vor dem Tod Angst vor der Vergänglichkeit, die Befürchtung, dass sich alles im Irdischen und im Himmlischen für immer auflösen wird. 

5. Das Königreich des Fleisches Diktatur der körperlichen Gesetze und Regeln, Beschränkungen. 

6. Die närrische Weisheit des Fleisches Nur das glauben, was man sieht, Rationalität. 

7. Die zornige Weisheit Besserwisserei, Fanatismus Diese sieben Punkte sollen keine Verurteilungen sein, wie man es im Denken der Kirche gewohnt sein könnte, sondern Hinweise und Ratschläge, seine übertriebenen Gefühle zu erkennen und daraus fehlerhafte Schlussfolgerungen abzulegen. So glaubte Maria plötzlich beim Auftauchen der vierten Macht, dass der Tod alles im Himmel und auf der Erde vernichtet und auflösen wird.
Doch als sie ihre Seele erhören konnte, da lauschte sie den Worten der Seele und erkannte, dass dies nicht den Tatsachen entsprach.
Es gibt viele Beispiele in unserer Welt. Religiöse Fanatiker, die für ihren Glauben viele mit in den Tod reißen würden, könnte man als Besserwisserei oder als Zorn des Wissens nennen, denn sie glauben, dass sie im Recht sind und verurteilen jene, die diesen Glauben leugnen oder ihn anders betrachten. Maria hatte in diesem Evangelium die ersten vier Mächte besiegt.
Man muss sogar applaudieren, denn anfangs hat Maria Jesus nicht wahrnehmen können und er machte sich auf amüsante Art lustig über sie – nicht zuletzt, um die Mächte in ihr anzusprechen und zum Aufsteigen zu bewegen, damit sie sich mit ihnen auseinandersetzen konnte, aber dann konnte Maria ihn wahrnehmen. Sie war also in der Lage einen Geist zu sehen, auch wenn sie ihn anfangs nicht gleich erkannt hatte.


Quellen: - TV-Beitrag “Der DaVinci-Code”, 25.3.05, 18.15 Uhr, Pro Sieben - „Das Thomas Evangelium“, Essay, Jonathan Dilas - Maria-Evangelium, ins Englische übersetzt von L. King, George W. McRae, R. McL. Wilson and Douglas M. Parrot, aus der Nag Hammadi Bücherei James M. Robinson (ed), Harper & Row, San Francisco 1988, pp. 252- 527